Liedermacher, Autor und BR –Moderator Werner Schmidbauer spricht mit Elisa Stowe

Ein müder, erschöpfter Mann sitzt in der Bad Aiblinger Niba. Er will seine Ruhe und keine spannenden Antworten geben. Aber trotz Tourstress und Hochwasserkatastrophe ist er da.

Schmidbauer (53) zählt selbst zu den vielen Aiblinger Betroffenen, die der Gewalt des Wassers ausgeliefert waren. Keine 5 Meter weg wohnt er vom Mangfalldamm. In der Nacht, in der das Wasser kam, wurden Frau und Kinder evakuiert. Er selbst blieb. Jedoch ist sein eigener Verlust ein „Kinderkram“, sowohl existenziell, als auch ideell. Aber die Verzweiflung, die konnte er auch spüren; er war allein und das Wasser stieg. Ein anderes Mal, als ihm das Wasser förmlich bis zum Hals stieg, erzählt er, war er in Afrika. Es war Regenzeit und er bekam Malaria. Ihm fehlten die finanziellen Mittel für die kostspielige Behandlung vor Ort. So brach er den Aufenthalt ab, flog nach Hause, landete in der Intensivstation. Seine Familie, die Freunde und das Personal im Krankenhaus waren für ihn da und haben ihm geholfen herauszukommen aus der Verzweiflung. Vor allem in Phasen von Katastrophen und Verzweiflung ist es wichtig, jemanden zu haben, der da ist und einem Mut zuspricht. Jetzt will er für die Aiblinger da sein. „Handeln statt Reden!“, lautet Schmidbauers Devise. Das sind klare Worte und er meint sie todernst. Für den 16. Juni organisierte der Musiker zusammen mit dem Lampferdinger Social Club und der Band Vait ein Benefizkonzert. Dieses war übrigens ein voller Erfolg – rund 15.000 Euro lautet zwischenzeitlich die Bilanz mit diversen Nachspenden. Musik bringt eben die Menschen zusammen, zaubert ihnen ein kleines Lächeln ins Gesicht, auch wenn die Zeiten noch so hart sind- oder so scheinen.

Ob er durch leidvolle Erfahrungen stärker wird? -Ja. Da vergleicht er sich mit einem Baum, dem jedes Jahr mehr Äste wachsen und in Krisenzeiten werden die Äste immer stärker.

Bezogen auf das Hochwasser hat der Werner also „Glück g´habt“- so heißt übrigens auch eines seiner Lieder. Dann taucht er sein Croissant in den Cappuccino und sagt: „das ist auch ein Glück für mich.“ Schmunzelt. Früher, sagt er, hat er sich viel zu intensiv auf Sinnsuche begeben, um dem Glück näher zu kommen. Heute, sagt er, findet er das Glück im alltäglichen Tun- eben beim trivialen Croissant-Eintunken. In einem permanenten Glückszustand befindet er sich dennoch nicht. Wer glaubt, dass es den gibt, „erliegt einem Irrglauben“.

Jetzt aber zu Verona. Dazu eine Geschichte. Ein kleiner Clown, der sehr beliebt ist, tritt jeden Abend in seinem Zirkuszelt auf und schafft es, die Menschen glücklich zu machen. Plötzlich wird er furchtbar traurig. Das Zirkuszelt ist zu klein: er möchte, dass die ganze Welt ihn sieht. So tanzt er auf dem Mond, aber keiner sieht ihn. Daraufhin lacht der Werner auf; die ganze Welt will er nicht beglücken in Verona. Das Ganze ist mehr ein Riesenspaß von drei Musikern im mittleren Alter. Wie soll man sich denn das vorstellen? Die Idee dazu entstand auf dem Tollwood beim „Rumblödln“. Da sagte einer: warum spielen wir nicht im Olympiastadion? Und der nächste sagt: warum nicht gleich in der Arena von Verona? Und der nächste sagt wieder: ja, warum nicht? Ich habe Kontakte. Nach ein bisschen Rumtelefonieren war die Zusage da. Inzwischen wurden 7000 Karten verkauft. Termin ist der 12. August. Dass „normalerweise“ klassische Akts und Weltstars ihren Weg in die Arena finden, stört ihn nicht. Werner stellt sich das so vor, dass Busladungen mit Freunden und Fans aus ganz Deutschland nach Verona pilgern und eine richtige Gaudi haben werden. Auch große, „gspinnade“ Träume lassen sich also realisieren. „Vielleicht“, sagt er dann, „werde ich eines Tages mit meinen Enkeln genau an der Arena vorbeifahren. Dann wird‘ ich ihnen sagen: schaut‘s, da hat der Opa schon mal gespielt. Und meine Enkel werden sagen: du spinnst und sie werden es mir nie glauben.“

Nebenbei moderiert Werner Schmidbauer die TV- Sendungen “Aufgspuit!” und „Gipfeltreffen“ im BR. Zum „Gipfeltreffen“ geht er mit Prominenten auf den Berg (wie Reinhold Messner oder Günter Grünwald). Ist er eher der „gehende“ oder „ankommende“ Typ? Beim Raufgehen, sagt er, liegt das schöne Ziel noch vor einem, aber es ist anstrengend. Aber Raufgehen ohne ankommen ist auch langweilig. Beides, getrennt betrachtet, bedeutet Glück. Mal schaun, wo er als nächstes raufgeht.

Elisa Stowe

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Werner Schmidbauer wurde 1961 in München geboren. Nach dem Abitur studierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität Kommunikationswissenschaft. Im dritten Semester zog es ihn nach Afrika (Kenia), wo er ein Jahr lang blieb und als Surflehrer arbeitete. In dieser Lebensphase schrieb er “viele wichtige Songs”. Bereits mit 17 Jahren spielte Schmidbauer schon live in Münchner Clubs. Mit den Gruppen “Jedermann” und “Folksfest”, sowie als Solo-Künstler kamen über 1000 Auftritte zusammen, bevor er 1984 als Moderator der Sendereihe “Live aus dem Alabama” (Schlachthof/Nachtwerk) der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde. Hierfür bekam er sogar 1984 den Adolf-Grimme-Preis. Schmidbauer moderierte zahlreiche weitere Sendungen in der ARD und dem Bayerischen Fernsehen und ging neben seiner Arbeit als Moderator auch immer seiner musikalischen Leidenschaft nach. Seit 1995 hat er insgesamt neun CD’s veröffentlicht und absolvierte zahlreiche Konzerte. Bereits 15 Jahre steht er gemeinsam mit seinem Musiker-Kollegen Martin Kälberer auf der Bühne. Für das Bayerische Fernsehen hat Werner Schmidbauer in den letzten Jahren zwei außergewöhnliche Formate kreiert. Mit “Gipfeltreffen” entwickelte Werner Schmidbauer die erste und einzige Walkshow, in der er seine Gäste bei einer Bergwanderung interviewt, denn “Gespräche in freier Natur werden viel authentischer, als wenn man Leute im Studio interviewt”. Bei “Aufgspuit!” dagegen steht die Musik im Vordergrund, “hier wird die Energie des spontanen und gemeinsamen Musizierens nicht nur auf die Bühne, sondern auch ins Fernsehen gebracht.”

Elisa Stowe (18) schloss eben ihre Schulzeit am Gymnasium in Bad Aibling mit einem hervorragenden Abitur ab. Ihre Schwerpunktfächer waren Ethik, Italienisch, Englisch. Sie wohnt im Ortsteil Schönau in der Gemeinde Tuntenhausen, liebt Musik und genießt im Moment die scheinbar grenzenlose Freiheit. Wichtig im Leben ist Elisa, Spaß haben an dem was sie tut und dabei nicht immer Alles zu ernst zu nehmen. Zukunftspläne hat sie auch schon: Jobben, nach Asien reisen, Praktika machen und irgendwann Studieren, vielleicht Dokumentarfilm oder Ethnologie/Politikwissenschaften – wer weiß! (sn)

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