Konsequent

8. Dezember 2016
Er hat die Schnauze voll. 28 Jahr war Martin „Johnny“ John Mitglied der SPD, jetzt hat der 47jährige Ostermünchner und Ortsvorsitzende der Tuntenhausener SPD die Partei verlassen und ist offiziell ausgetreten. Doch sein Ärger gilt nicht dem Ortsverband Tuntenhausen, sauer ist John, wie er sagt, auf die Bundespartei SPD.Unzufrieden mit der Bundespolitik seiner Partei war John schon die letzten zwei bis drei Jahre. Gestört hat den Finanzbeamten im Speziellen die SPD-Energiepolitik. Wie er der Freien Gemeindezeitung (FGZ) gegenüber sagt, hat er sich zudem darüber geärgert, dass sich die SPD beim Thema „Ausstieg aus der Kohle-Verstromung“ querstellte. Skurril befindet John auch die Tatsache, dass es Sigmar Gabriel als SPD-Bundesminister für Wirtschaft und Energie nicht gelang, die Rüstungsexporte zu drosseln, vielmehr wären diese angestiegen. Der endgültige Anlass, sein Parteibuch zurückzugeben, war für John dann der Parteikonvent der SPD am 19. September. Die Sozialdemokraten beschlossen mit einer zwei Drittel Mehrheit, das umstrittene Handelsabkommen mit Kanada „CETA“ zu befürworten.Nach 28 Jahren Mitgliedschaft in einer Partei ist der Entschluss zum Austritt kein leichter. 1987 begann Martin John sich für Politik zu interessieren, schrieb alle demokratischen Parteien an und beschäftigte sich ausgiebig mit deren Parteiprogrammen, verglich sie miteinander und trat schließlich 1988 in die SPD ein.  Was hatte ihn bewogen, bei den Sozialdemokraten einzutreten? John interessierte sich für die Arbeitnehmerrechte, die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften, Toleranz, Bürgermitbestimmung und den Solidaritätsgedanken. Weil er das alles gefunden hatte, fällt ihm jetzt der Abschied schon schwer. „Erst hat es mich innerlich fast zerrissen, das war ein gewaltiger Prozess, da die SPD zuletzt beim Mindestlohn und Lohngleichheit auch einiges erreicht hat.“ Beim Für und Wider überwog schlussendlich doch die Enttäuschung, wobei er langfristig eine Rückkehr nicht gänzlich ausschließen mag.

Für die Freunde im Tuntenhausener SPD -Ortsverband ist Johns Ausstieg nicht leicht zu nehmen. Auch im Kreisverband bedauert man es sehr. Doch sowohl Kreisverband wie auch Ortsverband  bringen neben dem Bedauern Johns Entscheidung auch Verständnis entgegen. Zusammen mit den verbliebenen Genossen möchte er als Parteiloser weiterhin kommunal einiges organisieren und mitarbeiten. Innerhalb des SPD-Ortsverbandes Tuntenhausen ist die Nachfolge gesichert.

Politisches Interesse – ist lebenslänglich, sagt Martin John. Das lässt sich nicht so einfach abstellen. Auch nicht mit einem Parteiaustritt. Politisch untätig zu sein oder jetzt gar Desinteresse auch auf kommunalpolitischer Ebene zu zeigen, ist nicht Johns Ding. So initiierte er – in Anlehnung an das Glonner Vorbild- bereits einen ersten Parteien übergreifender kommunalpolitischen Stammtisch Namens „KOMMA“ im Landgasthof in Ostermünchen. Diese monatliche Diskussionsrunde soll beibehalten werden, Interessierte sind willkommen.

Hinterlasse eine Antwort