Edmont Kies studierte in Wien Malerei, seit siebeneinhalb Jahren  wohnt der Künstler in Schönau

In eine Wiener Künstlerfamilie hineingeboren wuchs er stets mit dem Geruch von frischer Farbe in der Nase auf. Sein Vater, Professor (h.c.) Helmut Kies, war ein bekannter Wiener Maler und Mitglied im Kreise der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, die Mutter Ingeborg Kies ist Mag. Arte. Sohn Edmont beschäftigten die Eltern schon früh mit Farben, Leinwand und Pinseln, mit 5 Jahren schuf er seine erste  Zeichnung nach Dürers Vorbild.

So klingt es schlüssig, dass Edmont Kies den gymnasialen Kunstunterricht als langweilig befand. Vor Abschluss des Gymnasiums tauschte er die Schulbank mit dem Hörsaal, um seine Begabung noch mit Technik zu unterlegen.  Gewöhnlich verwehren Hochschulen auch in Österreich Schulabgängern ohne Matura (Abitur) den Zutritt ins Studium. Edmont Kies erhielt als Hochbegabter, erst 17jährig, die Studienerlaubnis an der Hochschule für angewandte Kunst, zunächst in der Meisterklasse für Malerei, später in der Meisterklasse für Gestaltungslehre.

Nach dem Studium gestaltete er zwei Jahre am Burgtheater und der Wiener Staatsoper als Theatermaler die Kulissen, dann machte er sich selbständig, arbeitete als freier Künstler. Das ist ein langer Prozess: sich zunächst mittels viele Ausstellungsbeteiligungen und eigener Ausstellungen einen Namen als Künstler zu machen, um bekannt zu werden. Dann die eigene Kunst zum Broterwerb zu erklären, Käufer für das selbst Geschaffene zu finden und sich vom eigenen, künstlerischen Werk dann wieder zu trennen. Nicht immer ist Edmont Kies der Name seines bekannten Vaters dabei hilfreich gewesen, auch in Künstlerkreisen wird polarisiert. Ob Kritiker, Galerist oder Kunstinteressierter – wer die Kunst des Vaters liebte, war  Edmont Kies eher wohlgesonnen, wer den Vater verteufelte, nahm den Sohn in Sippenhaft.

Amors Pfeil schickte den dreißigjährigen Wiener auf die Reise nach Nordrhein-Westfalen. Zwei Jahre lebte  der Künstler in der Nähe der Stadt Neuss in Nievenheim (ein kleinerer Ort zwischen Neuss und Dormagen, dann zog er zusammen mit seiner Frau nach Sauerlach, später nach Bruckmühl, jetzt wohnt er mit seiner Lebensgefährtin in Schönau.

Mit Betreten des Ateliers am Hochesterweg überschreitet der Besucher zugleich die Schwelle zur anderen Welt. Hier ist sie gegenwärtig, die Seelenverwandte der Magie, die Kunst. Sie raunt aus den Bildern, die an Wänden hängen oder hintereinander gestapelt am Boden stehen. Hier zwischen den Farben und der Staffelei wohnen die Musen und führen die Künstlerhand über die Leinwand. In begnadeten Momenten entstehen dann Farbklangkompositionen, die das Auge sehen und das Herz hören kann. Wunderwelten in Blau, vernebelte Kähne auf dunstigem See, magische Bäume mit filigranen Ästen, sommertrunkene Landschaften, Katzen mit wissenden Augen, dazwischen hochgewachsene Beine, mit feinem Strumpf und hochhakigem Schuh – ohne Körper.

Die Leinwand auf der Stafflei zeigt Umrisse einer Henne. Eine Auftragsarbeit, sagt Edmont Kies. Bilder verkauft der Künstler nach wie vor, doch vor der Wirtschaftskrise öffneten Kunstinteressierte schneller den Geldbeutel, um die häusliche Wand, einen Konferenzraum oder ein Arztzimmer zu schmücken.  Heute sind Malkurse für Ölmalerei, Acrylfarben und Pastell sein zweites Standbein, die Kurse gibt er über die VHS in Bad Feilnbach, Bad Aibling und am Tegernsee.

Monika Tomm wohnt in Schönau, auf ihre Initiative hin finden, seit Edmont Kies in Schönau wohnt, die Malkurse auch im Alten Schönauer Schulhaus statt. Seit über 10 Jahren besucht Monika Tomm die Malkurse des Künstlers in Bad Feilnbach, jetzt auch in Schönau. Von den Kursen spricht sie begeistert: „Ich habe sehr viel von ihm gelernt über die Jahre. Jeder kann seinen ganz persönlichen Stil verwirklichen und malen, was er will. Edmont Kies hilft, wenn die Kursteilnehmer das wollen, wenn nicht, hält er sich zurück. Falls mal etwas nicht so gut gelingt, zeigt er sachlich und konstruktiv, wie es besser sein könnte, motiviert und baut auf.“ Der Dank des Künstlers geht an Richard Bonnetsmüller, der als Organisator des Alten Schulhauses den Malkursen dort zustimmte. Der nächste Kurs beginnt im Oktober. (sn)

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