Im Gespräch mit der Freien Gemeindezeitung erzählte Josef Wachter über die Kriegsjahre, die Liebe und ein bewegtes Leben.

Josef Wachter (92)wurde 1925 mit zwei Geschwistern in die Landwirtschaft „beim Holzschneider“ in Bolkam hineingeboren, die Eltern waren Ursula und Josef Wachter. 1929 starb kurz vor Weihnachten die Mutter, der kleine Josef war gerade mal 4 ½ Jahre alt, seine Geschwister Gust und Ursula 3 ½ und 1 ½ Jahre alt.

Zur Schule ging Josef Wachter sieben Jahre nach Hohenthann, so lang war damals die Schulpflichtzeit. Danach half Josef Wachter in der kleinen Landwirtschaft zuhaus‘. Als 15-Jähriger begann er beim Nachbarn, dem Landwirt Grasser zu arbeiten, dazu musste er jeden Tag schon um 04.00 Uhr aufstehen und das Futter für die Kühe holen. Für diese Tätigkeit erhielt der Jugendliche vier Mark in der Woche.

Kriegsjahre

1943 rief den18-Jährigen der Arbeitsdienst, drei Monate später flatterte der Gestellungsbefehl zu den Gebirgsjägern nach Reichenhall ins Haus. Von dort aus kam Josef Wachter nach Annecy in Frankreich an die Front, zu den Granatwerfern. Die Erlebnisse dort bewegen ihn heute noch. Im April 1943 kam er nach Hause, musste erneut nach Reichenhall. Dann hieß der Befehl: an die Ostfront bis an die ukrainische Grenze nach Moldawien. Von hier führte ihn ein Fußmarsch nach Ungarn, schwer bepackt mit Rucksack, Gewehr und Granatwerfern. Am 11. September 1944 wurde Josef Wachter in Ungarn verwundet, er kam für 8 Wochen ins Lazarett nach Wien, danach bis Ende 1944 zur Genesungskompanie in Sonthofen, anschließend für 4 Wochen Urlaub nach Hause. Im Januar 1945 wurde er für kriegstauglich erklärt, kam im März 1945 mit einem Kampfbataillon in die Slowakei.

Am 8. Mai schwiegen endlich die Waffen, mehr als 60 Millionen Menschen waren tot. Gefallen an der Front, ermordet in Konzentrationslagern, verbrannt in Bombennächten, gestorben an Hunger, Kälte und Gewalt auf der großen Flucht. Doch für Josef Wachter war immer noch nicht Ruhe ins Leben eingekehrt. Bereits einen Tag nach Kriegsende geriet er in russische Gefangenschaft, konnte aber noch am gleichen Tag in einem Waldstück fliehen. Kurz darauf geriet er in der Nähe von Linz in die Hände der Amerikaner, die ihn wieder an die Russen übergaben. Nach 8 Monaten Gefangenschaft ist Josef Wachter dann endlich im Januar 1946 heimgekommen.

Menschen, die Kriege erleben, sind davon geprägt. Wer wie Josef Wachter an der Front war, wer mit Granatwerfern hantieren musste, um andere Menschen – von Mächten zum Feind erklärt- damit zu bekämpfen – der hat Bilder von Ereignissen in Hirn und Herz, die es irgendwie zu verarbeiten gilt. Josef Wachter hat im Schreiben seiner Kriegserlebnisse  eine Möglichkeit gefunden, abzugeben, zu verarbeiten und zugleich seinen Nachkommen etwas Bleibendes zu hinterlassen. So hat er ein Buch geschrieben und veröffentlich– mit persönlichen Erlebnissen aus einer Zeit – die sich nie wiederholen möge.

1946, nach dem Heimkommen aus der Gefangenschaft, arbeitete Josef Wachter wieder in der elterlichen Landwirtschaft und schnitt als Baumwart Obstgehölze aus, spritzte Unkraut, bediente die Dämpfkolonne. Damals spielte er Trompete, die er beim Kramer in Sindlhausen lernte. Mit seinem Instrument musizierte er bei der „alten“ Schönauer Musi, die damals noch rein aus Männern bestand.

Die Liebe

Mit dem Tag, an dem er Maria Zeller auf der Hochzeit seines Bruders Gust kennenlernte, kam Licht ins Leben von Josef Wachter. Wenig später lud er sie zum Tanzen ein, nach Oberndorf bei Ebersberg.  „Da hat’s gleich richtig gefunkt“, erinnert er sich noch gut. Er machte ihr, wie sich das so gehört, einen Antrag und: „Sie hat gleich JA g’sagt.“ Dann musste noch das Einverständnis der Eltern eingeholt werden. Am 2. Juni  1955 hat er dann seine Maria in Hohenthann geheiratet, die standesamtliche Eheschließung dokumentiert der „alte Stolz“, gemeint ist der Georg Viehhauser, der damals Bürgermeister und Standesbeamter in Hohenthann war.

1955 übernahm Josef Wachter von seinen Eltern den Hof, den er im Nebenberuf bewirtschaftete. Hauptberuflich schnitt Josef Wachter weiter Bäume aus, von 1965 bis 1972 war er im Bundeswehrgerätelager in Heufeld Gerätewart. Von 1972 – 1987 arbeitete er bei der Deutschen Bahn im Gerätelager am Giesinger Bahnhof, dann in der Bahnmeisterei am Münchner Ostbahnhof. Vor der Arbeit – um 05.00 Uhr erledigte er noch die Stallarbeit, dann fuhr er von Grafing aus mit dem Zug zur Arbeit. Nach dem Heimkommen ging die Arbeit in der Landwirtschaft weiter. Wenn untertags ein Kälbchen zur Welt kam, haben die Nachbarn ausgeholfen.

1981 übergab er den Hof an Sohn Josef mit Ehefrau Barbara Wachter. Lange Jahre war Josef Wachter Vorstand des Gartenbauvereins.

Die Kinder

Maria Zeller brachte Tochter Marianne mit in die Ehe. Zusammen haben Maria und Josef Wachter in den Jahren 1956 – 1965 weiteren 6 Kindern das Leben geschenkt: Christine, Josef, Gust (verst. 1979 mit 20 Jahren), Anton (ein paar Tage nach der Geburt gestorben), Konrad, Peter (Metzger in Hohenthann). Tochter Christine lebt in Kanada, Josef Wachter hat sie dort schon 5 Mal besucht. Doch Josef Wachter reiste nicht nur nach Kanada, er war in Polen, Frankreich, Monaco, an der italienischen Riviera, in Rom und in Lourdes.

Umzug ins Haus Loholz

Als 2004 seine Frau verstarb, war Josef Wachter viel alleine. 2014 entschied sich der rüstige Mann, ins Seniorenheim Haus Lohholz in Kolbermoor umzuziehen. Jetzt lebt er dort zufrieden, hat einen großen Freundeskreis, gehört dem Heimbeirat an und freut sich auf die regelmäßigen Besuche seiner Schwiegertöchter und Söhne und seiner Enkelkinder. Zu besonderen Gelegenheiten lässt er sich auch gerne abholen, um im Kreise der Familie in Bolkam zu feiern.

Susann Niedermaier

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