Ein grüner Hang im Norden von Tuntenhausen träumt unschuldig davon, Kindern und Familien ein neues Zuhause zu geben. Aus den Töpfen der Gerüchteküche steigt Nebel, doch vom Sturm, der heraufzieht, ahnt der Hang nichts.

Bürgermeister Georg Weigl sucht dringend Bauland für Menschen, die in Tuntenhausen bauen wollen. Doch Einheimischenbauland ist mehr als rar – derzeit gibt es genau zwei Grundstücke in der Gemeinde. Eines liegt in der Ortschaft Schmidhausen, das Zweite wartet in Ostermünchen – direkt gegenüber des Bahnhofsgebäudes auf einen Käufer. Jetzt kommt möglicherweise die Lösung aus Tuntenhausen Nord – eine große Fläche an einem Hang. Kommt oder auch nicht.

Weder im Bauausschuss – noch im Gemeinderat wurde bisher über „Tuntenhausen Nord“ (derzeit als landwirtschaftlicher Nutzgrund im Flächenplan der Gemeinde eingetragen), eine Flächenplanänderung oder gar über Bauanträge diskutiert oder abgestimmt. Doch die Gerüchteküche wabbelt, brodelt und kocht vor sich hin. Und nicht nur die Gerüchteküche kocht. Einige Anwohner am Schwalbenweg sind so gar nicht begeistert ob eines möglichen Vorhabens, allen voran Franz Förg. Der Hang weiß von all dem nichts.

In der Vorweihnachtszeit 2016 nebelte die Gerüchteküche bereits einen Hauch von Infofetzen in Förgs Haus: „Tuntenhausen Nord – Nähe Schwalbenweg – neues Baugebiet- mit Parzellen in Hanglage- wird bald ausgewiesen.“ Im folgenden Frühjahr, es war Mai, sah Förg aus dem Fenster und was er neben frischem Frühlingsgrün am nahen Hang sah, befremdete ihn sehr: Da wurden merkwürdige Grünvermessungen am Nachbargrundstück vorgenommen. Sollte da vielleicht direkt neben seinem Grundstück gebaut werden? Das Gras am Hang war wie immer dasselbe.

Dieses Geschehen veranlasste Franz Förg, ein Gespräch mit Bürgermeister Georg Weigl zu suchen, um nähere Informationen zum Sachstand zu erhalten. Anschließend erstellte Förg eine eigene Webseite zum Thema, um über Artenschutz, schützenswerte Hanglagen und das Vorhaben zu informieren und um Stimmen gegen dieses zu sammeln. Später gab es ein zweites Gespräch zwischen Bürgermeister Weigl und dem zweiten Bürgermeister Heinz Speiser, Franz Förg und Herrn Prof. Dr. Martin Ehlers.

Dann brachte Förg das Thema zu KommA. Anfang November zum monatlichen Treffen des Kommunalpolitischen Arbeitskreises kamen rund 25 Gemeindebürger. So viele Menschen treffen sich aus reinem Interesse an – oder zur Diskussion über politische Themen sonst nur in Bürgerversammlungen. Oder wenn über den Kauf eines Gasthofes in einer Gemeinderatssitzung diskutiert werden soll. Der Hang blieb ruhig und unbeteiligt.

25 Gemeindebürger, denen nicht anzusehen war, ob für oder gegen ein eventuelles Baugebiet Tuntenhausen Nord, quetschten sich zum KommA Treffen beengt im Salletl des Ostermünchner Landgasthofes an einem größeren Tisch und versuchten, einander zu verstehen. Rein akustisch zunächst – denn der Raum liegt direkt im Einzugsbereich der Küche mit Schiebetüre, durch die gefüllte Teller raus und leere wieder reingetragen wurden.

KommA Initiator Martin John eröffnete das Treffen, Gemeinderätin Maria Breuer ermunterte zum Miteinander sprechen, statt übereinander zu reden. Franz Förg outete sich als Sprecher der Initiative „Kein Tuntenhausen-Nord“. Viele würden hinter ihm stehen, er selbst könne sich gut als Kopf der Initiative zeigen, weil unabhängig und Niemanden verpflichtet. „Eine Bebauung an diesem Hang kommt nicht in Frage“, brachte Franz Förg energisch in den Raum. Die Hintergründe zu diesem Statement und das „warum“ ließ er zunächst offen und verwies auf die Webseite www.tuntenhausen-wehr-sich, wo Fakten zu finden wären. Der Hang mischte sich nicht ein.

„Wir sind für bezahlbaren Wohnraum, die Erhaltung des Ortscharakters und wehren uns gegen massive Eingriffe in die Natur“, sagte Förg. Zudem hob er die Hanglage des möglichen Baugebietes hervor und bezeichnete es als besonders wertvoll deswegen. Martin John gab zu Bedenken, dass es Aufgabe einer Gemeinde sei, Wohnraum zu schaffen. „Das funktioniert nur, wenn Grundstücke zu Verfügung gestellt werden.“ Gemeinderätin Maria Breuer beschwichtigte Förg: „Es ist noch nichts passiert!“ Und weiter: „Falls was geschehen sollte, geht alles einen regulären Weg.“ Erster Schritt dazu sei laut Breuer die Änderung des Flächennutzungsplanes. Breuer gab dann einen Rückblick, was bisher geschah:

„Ein Eigentümer eines Grundstückes hatte sich bei der Gemeindeverwaltung gemeldet mit der Intension, sein Grundstück in Hanglage am Schwalbenweg zu verkaufen. Neben diesem Grundstück gibt es ein weiteres, angrenzendes und größeres Grundstück, das einer anderen Eigentümerin gehört. Da es in der Gemeinde Tuntenhausen an Bauland für Einheimische mangelt, habe Bürgermeister Weigl Kontakt zur Eigentümerin aufgenommen um abzuklären, ob eventuell Interesse am Verkauf von Grundstücken bestünde. Werden in der Gemeinde Tuntenhausen größere Flächen als Bauland verkauft, muss die Hälfte davon (50:50 Regelung) als Einheimischen Grundstücke zu Verfügung gestellt werden.“

Im Salettl wurden verstärkt Sorgen um eine Straßenanbindung einer möglichen Siedlung Tuntenhausen Nord laut. Dass eine vernünftige Verkehrsanbindung nicht einfach sein dürfte, darüber waren sich alle einig. Zwischenzeitlich war auch Gemeinderat Hans Stürzer eingetroffen, die drei Bürgermeister und andere Gemeinderäte hatten sich entschuldigen lassen. In Tuntenhausen Nord lag der Hang grün und still, völlig unberührt vom Geschehen.

Maria Breuer ermunterte die Anwesende und alle Gemeindebürger, sich weiter aktiv mit eigener Meinung in die Gemeindepolitik einzubringen. „Dies zeigt uns Gemeinderäten verschiedene Blickwinkel und Meinungen.“ Abschließend versuchte Breuer nochmals, die Anwesenden zu beruhigen: „Ich glaube nicht, dass in den nächsten 3-4 Monaten etwas geschieht.“

Dem Hang ist‘s egal, denn wovon er träumt, kann ihm Keiner verbieten. Das gilt für Sonnentage, wie auch bei Regen und erst recht, wenn es stürmt.

Susann Niedermaier

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