13.000 Kilometer gelaufen, 52 Jahre SVO Mitglied, 46 Jahre Bank, 40 FC Bayern Schals, 29 Jahre rasender Reporter für den Mangfallboten und 28 Jahre Pressewart des SVO, das zusammen ist:  Werner Stache.

Rot-Weiß ist die offizielle Farbe der Bayern. Diese Kombination wäre Werner Stache für den gestreiften Pullover, den er bei unserem Treffen trägt, wohl zu schrill. Doch links, direkt über dem Herzen lässt dezent- aber unverkennbar ein Logo erkennen, für welchen Verein dieses Herz seit 52 Jahren schlägt.  „100 Prozent FC Bayern“, strahlt er übers ganze Gesicht.

Werner rührt in der Tasse Kaffee, die er sich beim Schiedermeier in Ostermünchen bestellt hat. Die ersten zehn Minuten kommen wir kaum zum Reden, zu viele Menschen kennen Werner Stache, die muss er erst Mal begrüßen.  Dann kommt noch Hans Schiedermeier, Senior der Bäckerei, natürlich mit einem neuen Witz. Beide Männer verbindet die Leidenschaft für den Bayerischen Fußball und die Begeisterung für den Kreisligisten SVO. Bevor die Beiden  sich komplett in der Vorfreude auf die kommenden Saisonspiele des Heimatvereines verlieren, erinnert Werner sich an den Grund unseres Treffens: Anlässlich der Jahresabschlusssitzung des Tuntenhausener Gemeinderates wurde er geehrt, für 28 Jahre ehrenamtliche Arbeit als Pressewart für den Sportverein Ostermünchen. Darüber wollte die Freie Gemeindezeitung berichten, doch schnell wird klar – das alleine wäre ein zu kleines Puzzlesteil aus dem bewegten Leben dieses Menschen.

Liebe zum Fußball

Der gebürtige Ostermünchener wuchs in Ostermünchen und mit dem SVO auf. Der Fußballplatz des Sportvereines liegt erst seit 1974 im Ortsteil Berg, zuvor wurde am Niedergartenweg in Ostermünchen gekickt. Umkleidekabinen und Duschen der  Kicker waren im „Alten Schulhaus“ untergebracht. Auch Werner Stache streifte dort sein damals noch grün-weißes Vereins-Trikot über und schlüpfte in die grüne Fußballhose des SVO. 1966 begann Werner als 16 Jähriger beim SVO als Verteidiger und Tormann in der Jugendmannschaft, unter Trainer Helmut Kapser. Schüler und Jugendmannschaften baute der Verein erst später auf, die Idee, den Nachwuchs schon mit den Zwergerl Mannschaften aufzubauen, setzte sich viel später erst durch.

Der Verein selbst war ihm schon Jahre zuvor vertraut, sein Vater verkaufte Bier, Wurstsemmeln –später auch Eis an die Zuschauer.  Werner half dem Vater, mit einem Leiterwagerl die Tragerl zum Platz zu ziehen und nach dem Spiel die leeren Flaschen wieder einzusammeln.  Nicht Schule und Lernen, dazwischen Handy, Computer und Fernsehen war damals der Lebensinhalt der Kinder und Jugendlichen. Werner kam von der Schule nach Hause, erledigte die Hausaufgaben zügig, um möglichst schnell auf den Fußballplatz zu kommen.

Onkel Alfred

Bereits als Siebenjähriger besuchte er gerne Onkel Alfred Huber, der in der Riedfeldstraße einen Friseurladen betrieb. Nicht der Wunsch, selbst Friseur zu werden führte Werner in den Laden, vielmehr die Fußballzeitschrift „Kicker“, die dort im Wartebereich lag, lockte den Jungen. Onkel Alfred war es auch, der einen der ersten Fernsehgeräte in Ostermünchen bekam. Dass die Fußball WM 1958 von Schweden nach Ostermünchen noch in  Schwarz/Weiß übertragen wurde, tat der Begeisterung der Bevölkerung keinen Abbruch – das Wohnzimmer  in der Riedfeldstraße war voll!

Die Bayern

Fußball zieht sich wie ein roter Faden durch Werners Leben, seit Kindesbeinen erfüllt ihn eine lebendige Begeisterung für diesen Sport.  Doch wenn er über den FC Bayern spricht, dann strahlen und glänzen die Augen und eine Art Verwandlung beginnt. Der sonst eher zurückhaltende  Verstandesmensch lässt sich von einer tiefen Leidenschaft für „seinen Verein“ einnehmen  und holt aus der Gefühlskiste weitere Emotionen  hervor. Werners  Liebe zu den „Roten“  begann  65/66, als diese in die Bundesliga aufstiegen.  Als der FCB erstmalig als Deutscher Meister, noch im Grünwalder Stadion kickte, hatte Werner Stache schon eine Jahreskarte. „Von 1992 bis 2013 war ich nahezu in jedem Spiel mit Sohnemann Michael live dabei“. Später fuhr auch Tochter Petra immer wieder mit. Meist gemeinsam mit dem FCB Fanclub Mietraching e.V., zu dessen Gründungsmitgliedern Werner Stache zählt. Jahrelang unterstütze er diesen Verein als Kassier, teilweise auch als Schriftführer. Als  Dank erhielt er 2015 die Ehrenmitgliedschaft ausgesprochen.

Bettwäsche und Waffeleisen

Werner Stache drückt seine Begeisterung für den mitgliederstärksten Sportverein der Welt (290.000 Mitglieder – Stand: 24. November 2017) nicht nur aus, indem er Heim-und Auswärtsspiele besucht. Der Verein ist im Hause Stache allgegenwärtig: Im Schrank hängen 25-30 FCB Original Trikots, die meisten gekauft, einige bekam er geschenkt. Werner besitzt etwas 15 verschiedene Bayern Caps, er schläft in Bayern Bettwäsche (neben ihm liegt Ehefrau Gudrun in „normalem“ Bettzeug), seinen Schrank füllen Strümpfe, Pullis, Handschuhe, Trainingsanzüge mit Logo oder Farben des Lieblingsvereines, auch der Anorak trägt das Bayern-Emblem. Doch alle Fanartikel werden übertrumpft von den 40 Schals, die Werner im Laufe der Zeit erwarb. „Bei nahezu jedem Pokalendspiel gibt’s einen neuen Schal. Das Foto mit den Schals bezeugt meine100 Prozentige Identität mit dem FC Bayern. Jeder Schal ist zudem eine unauslöschliche Erinnerung an ein ganz besonderes sportliches Erlebnisse. Hinter jedem Schal ist eine ganz spezielle Erinnerung“.  Kommen Gäste, wird aus FCB- Gläsern, Krügen oder Tassen getrunken, Waffeln bäckt Ehefrau Gudrun mit einem Bayern-Waffeleisen, für’s Müsli gibt es den FCB Becher, das Essen wird oft nach Rezepten aus dem Bayern Kochbuch zubereitet. Auch die Zeit hat in diesem Haus eine Farbe, hier schlägt selbst die Uhr rot-weiß und das Datum lässt sich Werner vom Bayern- Kalender sagen.  Ohne die Bayern geht’s auch im Büro nicht voran: Notizbuch, Ordner, Kugelschreiber, Tasche und Handyhülle schmückt das rot-weiße Logo.

SVO und Pressearbeit

Hier im Büro schreibt Werner seit 28 Jahren Texte für den SVO, seit 29 Jahren für den Mangfallboten. 1988 hatte ihn der damalige Vereinsvorstand Hans Thiel angerufen und ihn gefragt, ob er sich für das neue Amt eines SVO-Pressewartes (Schriftführer) zur Verfügung stellen würde. Werner Stache besprach sich mit seiner Frau, sagte zu und wurde  im Januar 1989 in dieses Amt gewählt. Ein viertel Jahr später  fragten auch der Ostermünchner Trachtenverein und die Feuerwehr bei Stache an. Die Tageszeitung fand Gefallen an Werners guter Pressearbeit  und holte ihn als freien Mitarbeiter auch für die kommunalpolitische Berichterstattung aus Tuntenhausen und umliegenden Gemeinden des Rosenheimer Landkreises ins Team. „Das Ganze drum herum hatte damals eine völlig andere Dimension, als heute: ich schrieb meine Berichte noch auf der Schreibmaschine, fotografierte noch auf Filme. Die Entwicklung der Fotos war teuer, so mussten die Bilder sorgfältig ausgewählt werden, die Filme manchmal geschnitten und in der Dunkeltasche neu eingelegt werden.“  Werner hat in seinem privaten Archiv jeden Artikel, den er seit 1989 schrieb und jedes Foto aufbewahrt. Für seine Arbeit als ehrenamtlicher Pressewart des SVO über 28 Jahre zeichnete ihn Bürgermeister Weigl im Dezember letzten Jahres aus. „Ich hab’s gern gemacht“, sagt Stache bescheiden.

Broterwerb

Ist die Liebe zum Fußball und zu den Bayern auch noch so tief – davon konnte Werner Stache weder leben, noch seine Familie davon ernähren. Mathe begabt durchlief er nach der Handelsschule in Kolbermoor eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Bayerischen Staatsbank in München. Das Kreditinstitut war die  damalige Privatbank des Freistaates Bayern. Weil diese Bank im Laufe der Jahre viermal fusionierte (Bayerische Staatsbank, Fusion mit Bayerischer Vereinsbank, dann mit Bayerischer Hypotheken und Wechselbank zur Hypo-Vereinsbank, dann Fusion mit der italienischen Großbank UniCredit)  kann Werner Stache heute sagen: „ Ich arbeitete für vier verschiedene Arbeitgeber, die aber eine Firma sind.“ Über verschiedene Stationen hat er es in 46 Jahren bis zum Abteilungsdirektor und in die obere Führungsebene gebracht in diesem Unternehmen. „Das war früher ohne Adelstitel oder Hochschulstudium nicht so einfach“, sagt Stache schon stolz. Seit Herbst 2010 ist er im Ruhestand, doch niemals untätig.

Familie

Sieben Jahre der Berufszeit arbeitete Werner Stache bei einer Filiale der Bayerischen Vereinsbank in Karlsruhe, dort in der Bank lernte er seine Frau Gudrun kennen, die im Bereich Zahlungsverkehr arbeitete. „Sie musste sic h täglich bei mir in der Kreditabteilung die Schecks über 50.000 Mark genehmigen lassen.“ Irgendwann gab es ein erstes Date beim Eisessen, 1982 wurde geheiratet. Die beiden haben zwei Kinder, Tochter Petra trat kürzlich in Werners Fußstapfen beim SVO – sie ist jetzt für die Pressearbeit beim SVO zuständig, mit Unterstützung vom Vater. Sohn Michaellebt mit Familie in der Schweiz, um die beiden Enkel zu sehen reist Werner jetzt häufig dorthin.

10 Mal Paris und zurück

Seit 1997 läuft Werner Stache dem Zucker davon. Nach einer Zuckeruntersuchung warnte ihn damals sein Hausarzt: „Wenn Sie nicht abnehmen, spritzen Sie in einem Jahr Insulin.“ Werner strich Ente, Pommes und andere Köstlichkeiten von seiner Speisekarte und ging Laufen, das hatte ihm die Diabetologin empfohlen. Bei den ersten Versuchen quälte ihn nach zwei Kilometern noch Seitenstechen, doch der Gedanke an die Spritze ließ ihn weitermachen. Von da an trainierte er zwei bis dreimal die Woche, bald schaffte er eine halbe Stunde am Stück ohne Probleme. Ehefrau Gudrun kochte fettarm, Schokolade gab es nur noch für die Kinder, Alkohol war gestrichen. Auf Schweinsbraten, Bayrisch-Cremetorte und Schmalzgebackenes verzichtet er bis heute, das ist bei den vielen Veranstaltungen und Geburtstageinladungen, über die Werner Stache bis heute schreibt, nicht einfach. „Nichts schmeckt so gut wie der Erfolg“, sagte Werner und blieb standhaft. Nach einem halben Jahr waren 16 Kilo runter und er fing an, für einen Halbmarathon mit 21 Kilometern am Stück zu trainieren. Mit straffem Trainingsplan, Disziplin und dem Rückhalt der gesamten Familie traute sich der damals 57-Jährige dann sogar an die 42 km eines echten Marathon, ging in Köln an den Start und hielt durch.

Stehaufmännchen

13.000 Kilometer lief Werner von 1997 bis 2013 dem Zucker davon, das ist 10 Mal nach Paris und zurück. Mit Disziplin, Bewegung und zusätzlich Tabletten hielt er den Diabetes im Griff. Dann stoppte ihn abrupt ein Herzinfarkt während der Hochzeitsfeier seines Sohnes Michael in der Schweiz. Werner  bot auch dieser und folgenden Krankheit die Stirn, verzichtete auf Langstreckenlauf und begann, leicht und kurz zu Joggen. „Ich bin ein Stehaufmännchen“, sagt er von sich und trainiert jetzt nach einer Knieoperation in einem Fitnessstudio.

Highlights

Was waren die emotionalsten Momente dieses bewegten, bunten Lebens? Werner Stache hält kurz inne und erzählt von Begegnungen mit dem damaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Stoiber in Bad Aibling, dem damaligen Bundesminister der Verteidigung , Karl-Theodor zu Guttenberg und dem Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer im Rahmen der Berichterstattung für die Tageszeitung. Aus den Tagen der Schriftführertätigkeit für den SVO ist wohl das 75 Jährige Jubiläum des Vereines mit einem Fest über 4 Tage und dem Auftritt der „Spider-Murphy-Band“ der Höhepunkt.

Tränen und Siege

Das absolute Highlight sind aber doch die „rot-weißen“ Termine. „Da gibt es unwahrscheinlich schöne Momente, Erlebnisse und Fußball geschichtliche Einmaligkeiten, die einfach nicht wiederholbar sind“, schwärmt der Bayern-Fan. Er erzählt von der „Lastminute-Niederlage“ 1999 in Barcelona gegen Manchester – der „Mutter aller Niederlagen“. Dort lag „sein Verein“ mit 1:0 in Führung und musste letztendlich nach der 90. Minute erst das 1:1, dann das endgültige 2:1 einstecken. „Da habe ich mit vielen anderen geweint.“ Die Tränen liefen Werner auf dieser Reise noch ein zweites Mal über die Backen. „Als wir Bayern-Fans zutiefst enttäuscht und am Boden zerstört aus dem Stadion raus unter Polizeischutz zum Flughafen geleitet wurden, führte der Weg uns durch Häuserreihen; alle Fenster waren geöffnet und aus den Fenstern klatschten die Menschen zum Abschied positiv Beifall. Das hat mich unheimlich berührt.“ Noch ein Erlebnis hat sich tief eingebrannt in Herz und Hirn dieser treuen Bayern-Seele: „ 2001 -Hamburg-Endspiel – letzter Tag der Bundesliga, letzte Minute um die Bundesliga-Meisterschaft. Schalke 04 feierte bereits den Sieg, als in der vierten Verlängerungsminute der Nachspielzeit der Freistoß für die Bayern die Wende brachte -  Schuss Anderson – TOR – Meister!“ strahlt Werner Stache.

Den Bayern bleibt er treu, ebenso wie dem SVO und dem Mangfallboten und hoffentlich auch der Freien Gemeindezeitung. Dass dieser Artikel so umfangreich und so ausführlich ist, lieber Werner, das ist dem Respekt für Deine Zuverlässigkeit und Deine Kompetenz als freier Mitarbeiter in den letzten 7 Jahren geschuldet, die Du für die Freie Gemeindezeitung tätig bist. Herzlichen Dank!

Susann Niedermaier

 

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