Für den ehemaligen Bürgermeister der Gemeinde Tuntenhausen wird 2018 erneut ein spannendes Jahr. Im Herbst ist Landtagswahl, Otto Lederer kandidiert. 

Seit Oktober 2013 vertritt der CSU-Landtagsabgeordnete den Stimmkreis Rosenheim–West im Bayerischen Parlament, in der kommenden Landtagswahl im Spätsommer/Herbst bewirbt er sich wieder um dieses Amt. Die CSU gab bereits Rückendeckung und nominierte Leder mit 100 Prozent  der Stimmen. Was macht Lederer anders als andere – um so viel Vertrauen zu erhalten und wie bereitet er sich auf den kommenden Wahlkampf vor?

Zum Gespräch trafen wir den Abgeordneten in seinem Büro im Wasserkraftwerk Nähe Bahnhof Rosenheim.

Freie Gemeindezeitung (FGZ): Herr Landtagsabgeordneter Lederer, in unserer Februarausgabe 2014 berichteten Sie unseren Lesern über Ihre Erfahrungen nach drei Monaten im Amt als Landtagsabgeordneter. Als Bemerkung zur Parteipolitik im Landtag wählten Sie damals das Wort: „Gewöhnungsbedürftig“. Jetzt nach über 4 Jahren im Parlament wollen Sie erneut kandidieren. Gewöhnung gelungen? Was bedeutet Ihr Amt im Landtag heute für Sie?

MdL Otto Lederer: Damals beim Gespräch 2014, als ich Manches in meinem neuen Amt als “gewöhnungsbedürftig“ erlebte, war ich in Gedanken noch bei der Gemeinde Tuntenhausen. Jetzt  bin ich längst gut angekommen im neuen Berufsfeld, meine Aufgabe bereitet mir viel Freude, ich bin sehr zufrieden.

FGZ: Widersacher in den eigenen Reihen gibt es vielerorts. Sie aber erreichen den Traumwert in der Nominierungsversammlung Ihrer Partei von 100 Prozent. Warum glauben Sie, haben sich alle Delegierten für Sie ausgesprochen?

MdL Otto Lederer: Ich sehe dieses Ergebnis als Gemeinschaftserfolg meines gesamten Teams, das mich hervorragend unterstützt. Erfolg gelingt nur durch Zusammenarbeit, dazu kommt noch ein Quäntchen Glück.

FGZ: Was machen sie anders als andere?

MdL Otto Lederer: Das lässt sich nicht so einfach beantworten, weil ich mich im Tun nicht selbst von außen beobachte. Ich versuche einfach, meine Arbeit gewissenhaft und sachlich zu machen und sie dennoch menschlich zu gestalten.

FGZ: Wie bereiten Sie sich auf den kommenden Wahlkampf zur Landtagswahl vor?

MdL Otto Lederer: Zunächst geht es darum, die tägliche Arbeit weiterzumachen und solide Leistung zu bringen. Für den Wahlkampf werden jetzt nebenbei die groben Planungen gemacht, vor allem Termine für große Veranstaltungen. Ziel ist, in jeder Gemeinde des Stimmkreises mindestens eine Veranstaltung zu organisieren.

FGZ: Eine Demokratie braucht sowohl interessierte und motivierte Wähler, als auch politischen Nachwuchs. Wie stufen Sie das Interesse der Jugend an Politik ein?

MdL Otto Lederer: Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus bin ich der Meinung: die Jugend ist an Politik interessiert. Durch die zunehmende Digitalisierung nutzt sie heute aber verstärkt andere Zugangskanäle. Ich selbst bin nicht gerade der ganz große Fan von beispielsweise facebook, dennoch nutze ich auch dieses Medium zur Kommunikation mit der jüngeren Generation.

FGZ: Wie kann man Ihrer Meinung nach aktiv dazu beitragen, das Interesse junger Menschen an Politik zu wecken und Jugendliche für Politik zu begeistern?

MdL Otto Lederer: Hier gibt es verschiedene Wege – zunächst ist die Schule Bildungsstätte, in der im Unterricht breite Gesellschaftsthemen, auch Politische Themen, angeboten werden. Kürzlich konnte ich im Gymnasium in Bruckmühl die Wanderausstellung „Der Bayerische Landtag auf Tour“ eröffnen, die dort eine Woche zu sehen war.

FGZ: Was lässt sich hier weiter realisieren, was setzen Sie bereits um?

MdL Otto Lederer: Begeisterung lässt sich in der persönlichen Begegnung und im Gespräch, im direkten persönlichen Kontakt mit den Jugendlichen wecken. Ich werde von verschiedenen Jugendorganisationen zu Gesprächen eingeladen – oder initiiere solche Gespräche auch selbst.

FGZ: „Politik ist ein schmutziges Geschäft“ und „Politik verdirbt den Charakter“, sagt der Volksmund. Sie sind Politiker seit 1996. Wie ist Ihr Blickwinkel, Ihre Meinung, Ihre Erfahrung zu diesen Sätzen?

MdL Otto Lederer: Hierzu fällt mir ein Zitat von Wolfgang Bosbach, ehemaliger CDU-Innenpolitiker, ein: „Nicht die Politik, sondern Charaktere verderben die Politik.“

FGZ: Warum hat sich Ihrer Meinung nach die negative Sicht auf Politik in vielen Gehirnen verfestigt?

MdL Otto Lederer: Weil es eben auch Charaktere gibt, die dem Ruf der Politik und der Politiker schaden. In der menschlichen Psyche brennt sich Negatives intensiver ein, als Positives. Betrachtet man die verschiedenen Berufe, so hängt jedem Berufszweig ein gewisses Image an, Feuerwehrleute sind beispielsweise meist hochangesehen. Ich bin beides, Feuerwehrmann und Politiker. Ich lasse mich hier aber auch als Politiker von Pauschalurteilen nicht entmutigen – ich bin gerne Politiker.

FGZ: Sie gehören nicht nur einer Partei an, die ein „C“ im Namen trägt, sie sind selbst aktiver Christ. Was sind „Christliche Werte“ für Sie?

MdL Otto Lederer: Gerechtigkeit, Nächstenliebe, Solidarität, Individualität in der Erkenntnis – jeder Mensch ist wertvoll.

FGZ: Wie lassen sich Christliche Werte und Politik vereinbaren?

MdL Otto Lederer: Christliche Werte leiten mich als Kompass in meiner politischen Arbeit.

FGZ: Betrachten Sie sich selbst eher als traditionell- konservativ oder als moderater Erneuerer?

MdL Otto Lederer: Als eher konservativ und zugleich aufgeschlossen für neue Wege. Hier halte ich es mit dem Apostel Paulus, der in einem seiner Briefe an die Thessalonicher schreibt: „Prüfe alles und behalte das Gute.“

FGZ: Erachten Sie es als notwendig, sich als CSU Politiker von Parolen der AfD abzugrenzen?

MdL Otto Lederer: Ich bin klar gegen einen „Rechtsruck“ der CSU und das gilt es auch nach außen zu vertreten. Wir brauchen neue Intensionen. Wir müssen uns auf unsere Werte besinnen und diese wieder ins Bewusstsein der Menschen bringen und zugleich die tatsächlichen Probleme der Bürger sehen, auch selbst erkennen und ernst nehmen.

FGZ: Wenn man Ihre Reden im Bayerischen Landtag in den Medien hört oder sieht, lässt sich feststellen: ihr Ton ist – gegenüber der Zeit als Bürgermeister der Gemeinde Tuntenhausen – nun manchmal lauter und auch rauer geworden. Gehört das zum Geschäft Politik – oder verändert die parlamentarische Arbeit den Menschen?

MdL Otto Lederer: Nein, ich kann keine Veränderung an mir selbst feststellen. Doch im Plenum ist der Umgang miteinander etwas anders, als in einem Gemeinderat. Im Landtag wird so manches Mal versucht, durch Zwischenrufe zu stören oder zu provozieren, speziell bei der Bildungspolitik. Manches davon ist schlicht Unsinn, und hört sich aber meist wilder an, als es ist. Ich gehe da nicht speziell darauf ein, nur gegen persönliche Beleidigungen verwehre ich mich – wenn nötig, auch energisch.

FGZ: Sie leiten seit Frühjahr 2017 als Landesvorsitzender den Arbeitskreis Schule, Bildung und Sport der CSU und haben zudem verschiedene parlamentarische und andere Funktionen. Welche genau?

MdL Otto Lederer: Als Mitglied des Ausschusses für Bildung und Kultus und als Mitglied des Ausschusses für Kommunale Fragen, Innere Sicherheit und Sport bin ich zuständig für Anfragen zu kommunalen Angelegenheiten und für die Lehrerweiterbildung in den MINT-Fächern (Mathe, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) sowie für das bayerische Gymnasium. Als Vorsitzender des Maßregelvollzugsbeirates Inn-Salzach-Klinikum gGmbH, Fachbereich Forensische Psychiatrie in Wasserburg am Inn bin ich ein konstruktiv-kritischer Partner für die Klinikleitung, wenn von Patienten der Forensik Anregungen oder auch Beschwerden kommen.

FGZ: Das Ehrenamt hat in Ihrem persönlichen Leben einen hohen Stellenwert. Sie sind stellvertretender Vorsitzender im Katholischen Männerverein Tuntenhausen, aktiv bei der Freiwilligen Feuerwehr Ostermünchen, Mitglied im Trachtenverein „Almarausch“-beim VdK, der AWO, dem Trachtenverein „Eichenlaub“ Schönau und den Ostermünchner Ortsvereinen SVO, Obst- und Gartenbauverein, dem Maibaumverein und dem Krieger- und Soldatenverein. Warum sind die Vereine für Sie so wichtig?

MdL Otto Lederer: Ich war schon lange vor meiner Zeit als Bürgermeister der Gemeinde Tuntenhausen bei den meisten der genannten Vereine, einfach – um diese in ihrer wichtigen gesellschaftlichen Arbeit zu unterstützen. Jetzt genieße ich es, falls die Zeit es erlaubt, Versammlungen der örtlichen Vereine als normales Mitglied zu besuchen, einfach um unter den Menschen meiner Gemeinde und meines Ortes zu sein, das ist ein Stück Heimatgefühl.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Susann Niedermaier

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