„ Ned wegen jedem Scheißdreck zum Doktor rennen.“ Das ist Josef Hellers Geheimrezept für ein gutes, langes Leben. Es ist wohl das richtige Rezept, denn der Jubilar konnte Mitte Januar im Kreise seiner Familie seinen 90. Geburtstag feiern.

15 Jahre begleitete er bis zu seinem 84. Lebensjahr die Fahne beim Veteranen- und Kriegerverein Schönau. „Da Schuasta, der halt des aus“ sagte Altbürgermeister Josef Haas einst über ihn und sein Durchhaltevermögen, erzählt Josef Heller. Das Vereinsleben gefällt ihm gut, drum gehört er seit mehr 72 Jahren dem Trachtenverein der Nachbargemeinde Baiern an, im Schönauer Trachtenverein ist er seit 60 Jahren Mitglied. Den Bairern blieb er treu aus Heimatverbundenheit, er stammt aus dem Bairer Ortsteil Antholing und hat in Biberg in den Schusterhof eingeheiratet.

Seine Frau Barbara lernte Sepp Heller Kennen in der Antholinger Kirche kennen: „ Ich war Ministrant und verteilte bei einer Beerdigungsmesse die Totenbuidl’n, jemand spielte so wunderbar die Orgel. Da wollte ich wissen, wer so schön spielt und stieg rauf auf die Empore. Barbara hat mich ang’schaut und wir haben uns verliebt. Erst hab‘ ich mich nicht getraut, weil ich ein Schüchterner bin“. Als der Jubilar das sagt, muss Bürgermeister Georg Weigl, der am Geburtstagstisch sitzt, herzlich lachen. Warum er lacht, das verrät er den Anwesenden nicht. Irgendwie hat es dann doch geklappt, mit den Beiden und im Mai 1958 wurde in Schönau geheiratet. Die freundschaftliche Aufnahme in Schönau und Biberg ist dem Sepp noch gut in Erinnerung. Jetzt sind die beiden zusammen 180 Jahre alt, haben drei Töchtern und drei Söhnen, 13 Enkel, und zwei Urenkel.

Glück hatte der Heller Sepp nicht nur mit seiner Frau Barbara, sondern auch mit einer späten Einberufung im April 1945. Das Schreiben befahl ihn mit zwei weiteren Baierer Burschen nach Garmisch zur Wehrmacht. Was für ein Schrecken! Die Angst, die den Burschen während der Zugfahrt im G‘nack saß, wandelten sich nach Ankunft in helle Freude. In der Kaserne gab es keinen Bedarf mehr an Soldatennachwuchs. So wurde aus einer Fahrt der jungen Bairer, die in den Tod hätte führen können, ein schöner Ausflug.

Im Rückblick auf 90 Jahre gibt es viel zu erzählen. Nach der Übergabe des Hofes engagierte sich der Sepp in der Flurbereinigung, der Molkereigenossenschaft und den Kirchenverwaltungen in Schönau und Biberg. Ein paar leichte altersbedingte Abnutzungserscheinungen und ein paar Ersatzteile in Knie und Hüfte, auch Reparaturen am Herzen haben ihm seinen Humor, seine Pfiffigkeit und seine Lebensfreude jedoch nicht genommen. Das 60-jahrige Ehejubiläum kann also kommen.

Gemeindeoberhaupt Weigl überbrachte die Glückwünsche der Verwaltung, eine Urkunde und einen schönen Blumengruß. Ferdinand Edfelder gratuliert dem Geburtstagskind im Namen des VdK Tuntenhausen mit einem Leckereien Korb. Später gratulierten noch die Vertreter des Trachtenvereins und der Kirchenverwaltungen von Biberg und Schönau.

Otto Lösch/Susann Niedermaier

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