Anfangs war es ein zähes Ringen, aus vier einzelnen Gemeinden ein großes Ganzes zu machen. Über die Jahre ist Tuntenhausen zusammengewachsen. Heute ist die Summe der Teile mehr als das Ganze und ein großes Miteinander prägt und trägt die Menschen in Tuntenhausen.

Warum Gebietsreform in Bayern?

Bereits 25. Januar 1952 trat die neue Gemeindeordnung für Bayern in Kraft. Doch erst am 25. Januar 1967 kündigte der damalige Ministerpräsident Alfons Goppel in seiner Regierungserklärung die Reform an und nannte sie die wichtigste innenpolitische Aufgabe dieser Legislaturperiode. Die Gebietsreform wurde von Bruno Merk (CSU) initiiert, der von 1966 bis 1977 Staatsminister des Innern war. Sein Amtsnachfolger Alfred Seidl schloss die Gebietsreform ab.

Erst 7000, danach 2050 Gemeinden

Durchgeführt wurde die Gebietsreform im Freistaat Bayern in den Jahren 1971 bis 1980, sie hatte das Ziel, leistungsfähigere Gemeinden und Landkreise zu schaffen. Das sollte durch größere Verwaltungseinheiten (Gemeindefusionen) erreicht werden, die nach Ansicht der Bayerischen Staatsregierung effizienter arbeiten würden. Zeitlich lässt sich die Gebietsreform in zwei Abschnitte gliedern: 1972 die Gebietsreform zur Neugliederung Bayerns in Landkreise und kreisfreie Städte. Darauf folgte die kommunale Gebietsreform, die ab 1972 zuerst auf freiwilliger Basis durchgeführt und im Jahre 1978 mit Zwangseingemeindungen abgeschlossen wurde. Im Rahmen der Neugliederung Bayerns in Landkreise und kreisfreie Städte wurden aus vorher 143 Landkreisen insgesamt 71 neue Landkreise, die 48 ehemals kreisfreien Städte reduzierten sich auf 23. Die Zahl der bayerischen Gemeinden verringerte sich während der kommunalen Gemeindegebietsreform von 7004 auf 2.051.

Die Ära Josef Haas

1977, ein Jahr vor der nächsten Bürgermeisterwahl, begann für den damaligen Bürgermeister des Ortes Tuntenhausen mit der Vorbereitung der Gebietsreform die wohl größte Herausforderung seiner 30jährigen Amtszeit. Es galt, bis 1. Mai 1978, dem Tag an dem die Gebietsreform vollzogen sein sollte, die verschiedenen Interessen der vier Gemeinden Hohenthann (mit Schönau), Beyharting (mit Maxlrain), Tuntenhausen (mit Ostermünchen) und Lampferding (mit Dettendorf) unter einen Hut und auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Jede dieser Gemeinden hatte zu diesem Zeitpunkt sowohl ein eigenes Rathaus mit Verwaltung und Bürgermeister – als auch einen eigenen Gemeinderat. Die Zusage der Regierung war, Zuschüsse für diejenigen Gemeinden locker zu machen, die freiwillig ihre Eigenständigkeit für eine neue Großgemeinde Tuntenhausen aufzugeben bereit waren. Josef Haas lud die Bürgermeister und Gemeinderäte der vier Gemeinden in den Saal des Innerthanner Wirtes ein, zum Gespräch über Grundsätzliches für einen Zusammenschluss.  „Es wurde hitzig diskutiert und es war wirklich nicht einfach, denn Beyharting wollte sich die Selbständigkeit erhalten und plädierte für den Zusammenschluss der Gemeinden als Verwaltungsgemeinschaft“, erinnert sich der Altbürgermeister. Weil sich aber die Mehrheit, also die drei anderen Gemeinden darauf einstellen konnten, künftig in eine neue Gesamtgemeinde Tuntenhausen eingebunden zu sein, musste Beyharting sich, ob gewollt oder nicht, ebenfalls einfügen. „Zuschüsse gab es für Beyharting dann leider nicht“, bedauert Josef Haas noch heute.

Im März 1978 trat Josef Haas als Kandidat zur Bürgermeisterwahl für die neue Einheitsgemeinde Tuntenhausen an, er erhielt 66 Prozent der Wählerstimmen. Gegenkandidat war Schneidermeister Dörrer, den die Hohenthanner aufgestellt hatten. In den Jahren 1984 und 1990 bestätigten die Bürger mit der jeweiligen Wiederwahl, dass sie mit der Gemeindepolitik von Josef Haas einverstanden waren. Mit der fünften Wahl 1996 bescherten die Tuntenhausener Josef Haas dann einen überragenden Erfolg: 94 Prozent der Wähler gaben ihm ihre Stimme.

12 Jahre Otto Lederer

Mit der darauffolgenden Wahl 2002 und für die nächsten 12 Jahre war Otto Lederer Bürgermeister der Gemeinde Tuntenhausen. Die Gebietsreform lag bereits 24 Jahre zurück, an die Zeit der Reform hat Otto Lederer kaum Erinnerungen, er war damals gerade mal 8 Jahre alt. Doch an Eines erinnert sich der Abgeordnete, der heute für die CSU im Bayerischen Landtag sitzt, noch gut: „ Plötzlich trug unser Ort eine andere Postleitzahl. Vor der Gebietsreform hatte Tuntenhausen (mit Ostermünchen) die Leitzahl 8019, danach 8201. Seit der Wende gehört die 83104 zu Tuntenhausen.“ Hat die Gebietsreform aus Lederers Sicht gut geklappt in Tuntenhausen? Otto Lederer bestätigt: „Durch die Gebietsreform wurden die Mittel der vier Ortschaften gebündelt, es konnten Projekte realisierte werden, die sonst wohl schwierig gewesen wären – wie der Bau eines gemeinsamen, neuen Schulhauses in Ostermünchen, die Gemeindekanalisation, die gemeindliche Wasserleitung und mit dem Bau des Rathauses in Tuntenhausen ein, für die damalige Zeit moderner, gemeinsamer Verwaltungstrakt.“ War zu Lederers Amtsantritt die Gebietsreform nicht nur nach außen, sondern auch in den Herzen der Bürger vollzogen, fühlten sich alle Bürger als Tuntenhausener? Lederer hebt das gute Miteinander hervor und zieht den Vergleich zum Europa der Regionen. „Es gibt schon ein Ortsbewusstsein in den einzelnen Dörfern, das ist aber nicht ausgrenzend gedacht, nach außen fühlen sich die Bürger gemeinschaftlich als Tuntenhausener. Wie sieht Lederer Tuntenhausen heute, im Jahr 2018? „Diese Gemeinde ist geprägt von einem starken Gemeinschaftsgefühl, einem lebendigen Vereinsleben, vielen Aktivitäten und ganz vielen Ehrenamtlichen in verschiedensten Bereichen – ein großes Miteinander.“

Seit  2014 Georg Weigl

Der amtierende Bürgermeister Georg Weigl hat Erinnerungen an die Zeit vor der Landkreisreform, er war damals 18 Jahre alt. Ein Ereignis beeindruckte ihn sehr: „Es war eine Zeitlang angedacht, dass Hohenthann dem Landkreis Ebersberg zugeordnet werden sollte, das wollte aber keiner der Hohenthanner. Mein Vater war damals Gemeindesekretär in Hohenthann, ich erinnere mich, dass er Protesttafeln malte und aufstellte.“ Ob diese Tafeln dann letztendlich der Grund waren, dass den Hohenthannern die Zugehörigkeit zum Rosenheimer Landkreis erhalten blieb? Vielleicht. Die Fusion der vier Orte hat jedenfalls auch aus Weigls Sicht gut geklappt, auch wenn es zuvor und auch danach Diskussionen gab. „Bis die einschneidende Strukturveränderung von allen Bürgern akzeptiert wurde, das hat schon gedauert.“

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