Vorsitzender des Vorstandes der Volksbank Raiffeisenbank Mangfalltal-Rosenheim eG, Hubert Kamml. Foto: Volksbank Raiffeisenbank Mangfalltal-Rosenheim eG

Vorsitzender des Vorstandes der Volksbank Raiffeisenbank Mangfalltal-Rosenheim eG, Hubert Kamml. Foto: Volksbank Raiffeisenbank Mangfalltal-Rosenheim eG

Angespannte Finanzmärkte – Banken in der Krise. Wie geht es den Regionalbanken? Freie Gemeindezeitung (FGT) im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Vorstandes der Volksbank Raiffeisenbank Mangfalltal-Rosenheim eG, Hubert Kamml.

 

FGT: Wie schätzen Sie die Entwicklung der globalen Finanzsituation für den Rest dieses Jahres und das kommende Jahr ein?

Hubert Kamml: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat unter ihrem neuem EZB-Präsidenten Mario Draghi den Leitzins am 03. November von 1,50 % auf 1,25 % gesenkt. (Anm. der Redaktion: Dieser Leitzins steuert den Geld- und Kapitalmarkt und  legt den Zinssatz fest, zudem sich Geschäftsbanken Geld beschaffen können. Geht der Leitzins nach unten ist zu erwarten, dass auch die Kreditzinsen sinken). Kernproblem ist die zu hohe staatliche Verschuldung, viele unserer europäischen Staaten leben zum Teil seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse. Einen Schuldenschnitt – wie in Griechenland geplant – sehe ich nicht als Lösung für Europa. Vielmehr sehe ich die Lösung darin, wieder Vertrauen zu schaffen. Dazu sind meiner Meinung nach „Nationale Schuldenbremsen“ und solide Haushalte nötig. Vor allem muss die Politik europaweit ihre Versprechen auch einhalten.

Griechenland hat mit dem inzwischen wieder gestrichenen Referendum überrascht und mit einer erneuten Regierungskrise für weitere Unsicherheit gesorgt

Die Weltwirtschaft sehe ich derzeit etwas im Zwiespalt: Realwirtschaftlich gute Lage findet Erholung, beispielsweise hat  Deutschland eine historisch niedrige Arbeitslosenquote und viele offene Stellen. Dem gegenüber stehen aber finanzwirtschaftliche Verwerfungen, die wieder eine leichte Rezession begründen können.

Ich halte eine langsame Stabilisierung für möglich,  wenn europaweit konsequent gehandelt wird. Insbesondere Italien und Spanien sind davon abhängig,  dass das Vertrauen des Marktes nicht vollständig schwindet. Die Schuldenkrise wird ein langfristiges Thema bleiben.

FGT: Wie beurteilen Sie die Finanzsituation der großen deutschen Banken?

Hubert Kamml: Der Kapitalbedarf aus der Griechenland-Rettung bei den großen deutschen Banken liegt bei ca. 5,2 Mrd. Euro. Die Commerzbank droht mit 2,9 Mrd. Euro Bedarf wieder ein  Fall für den Rettungsfonds SoFFin zu werden.

(Anm. der Redaktion: Der Finanzmarktstabilisierungsfonds FMS, auch Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung – SoFFin genannt,  wurde am 17. Oktober 2008 im Rahmen des deutschen Finanzmarktstabilisierungsgesetzes eingerichtet, das in einem Eilverfahren am selben Tag von Bundestag und Bundesrat verabschiedet und vom Bundespräsidenten unterzeichnet wurde. Die Rechtsverordnung zu diesem Gesetz wurde am 20. Oktober vom Bundeskabinett verabschiedet).

Die Bankenrettung sehe ich verantwortlich für einen großen Teil der deutschen Schulden, drei Viertel des Schuldenanstiegs der letzten Jahre (232,2 von 304,4 Milliarden Euro) waren alleine auf die Auslagerung von Vermögenswerten von zwei großen Banken in so genannte „Bad Banks“ zurückzuführen (Hypo Real Estate in die FMS Wertmanagement und WestLB in die Erste Abwicklungsanstalt).

Die Großbanken haben aus der Finanzmarktkrise meiner Meinung nach nicht dazugelernt. Ich persönlich würde derzeit kein Geld bei einer Großbank anlegen.

FGT: Wie positioniert sich Ihr Haus derzeit zum Thema: „Sicherheit der Geldanlagen“?

Hubert Kamml: Die Sicherheit der Anlagen in unserem Hause hat für Anleger oberste Priorität.  Für Geldanlagen bei der Volksbank Raiffeisenbank Mangfalltal-Rosenheim eG gilt: diese sind durch die Sicherungseinrichtung zu 100 % geschützt. Dies gilt für Privat- und Firmenkunden, ohne Einschränkung des Betrages. Kein Kunde einer Volksbank Raiffeisenbank hat je sein Geld verloren – das ist gleichzeitig ein Versprechen für die Zukunft!

FGT: Worin unterscheidet sich Ihr Haus beim Thema: „Sicherheit der Geldanlagen“ von anderen Banken?

Hubert Kamml: Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat die Stabilität unserer Einlagensicherung gegenüber anderen Systemen bestätigt.

Die Genossenschaftsbanken sind die stabilste deutsche Bankensäule. 

Wir haben nie Staatshilfen benötigt und sind  aus der Finanzmarktkrise gestärkt hervorgegangen. Wir verfügen über eine breite Eigenkapitalbasis und konzentrieren uns auf  Geschäfte in den Bereichen, die wir verstehen.

Werte schaffen Werte: Genossenschaftsbanken dienen den Menschen, sind ihren Mitgliedern verpflichtet und übernehmen Verantwortung für die Region als Steuerzahler, Arbeitgeber, Ausbilder…

Wir haben keine Griechenlandanleihen und verzichten auf suspekte Spekulationsgewinne.

FGT: Wenn es zu einem globalen Zusammenbruch des Finanzwesens kommen sollte, wie sicher ist dann das Geld, das Menschen auf Sparbüchern oder in Sparbriefen in Ihrem Hause angelegt haben?

Hubert Kamml: Bitte keine Panikmache! Die Krisensituation jetzt ist nicht mit Ereignissen aus der Geschichte zu vergleichen. Für die  letzte Währungsreform war ein Weltkrieg der Auslöser, nicht vergleichbar mit der aktuellen Situation.

Meine Empfehlung an die Anleger: weiterhin einen Teil ihres Vermögens in Liquidität und Geldwerten (Tagesgelder, Sparanlagen, Festgelder) halten.

Wir empfehlen eine Vermögensstruktur, dazu gehören auch sogenannte Substanzwerte (z.B. Aktienfonds) und Sachwerte (z.B. Immobilienfonds).

Vielen Dank für das Gespräch!

Susann Niedermaier

Rosenheimer Redaktionsbüro

Brettschleipfen 21

83104 Tuntehausen

 

 

 

 

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